Im Auftrag des Einwohnerrats hat der Gemeinderat Buchs Ende 2025 eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt. An der Befragung, die vom Forschungsinstitut YouGov (ehem. LINK Institut) durchgeführt wurde, haben 1054 Buchser Einwohnerinnen und Einwohner teilgenommen. Die Rücklaufquote war mit rund 60 % vergleichsweise hoch. Die Umfrage bestand aus zwei Teilen: Der erste Block umfasste allgemeine und detaillierte Zufriedenheitsabfragen im Rahmen des YouGov Gemeinde-Checks. Im zweiten Block wurden die Einstellungen zu einer möglichen Fusion mit Aarau und der damit verbundenen Folgen abgefragt. Anlässlich einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 1. Juni 2026 präsentierte YouGov die Umfrageresultate und der Gemeinderat seine Haltung dazu sowie die daraus abgeleiteten Massnahmen.
Nur etwas mehr als ein Drittel äusserte sich in hohem Masse zufrieden mit Buchs als Wohngemeinde, 60 % vergaben neutrale Bewertungen, 4 % zeigten sich (sehr) unzufrieden. Aus den Antwortverteilungen resultierte ein Mittelwert von 5.1 von maximal 7 Punkten. Im Vergleich zum von YouGovSchweiz 2025 erhobenen Benchmark lag Buchs damit deutlich unter dem für vergleichbar grosse Gemeinden ermittelten Wert von 5.5. Noch deutlicher wird diese Haltung bei der Frage nach der Nähe von Buchs zur idealen Wohngemeinde. Die durchschnittliche Bewertung lag in Buchs mit 4.8 klar unter dem Mittel von 5.4 im Gemeindevergleich.
Negativ ist auch die Weiterempfehlungsrate: Während 22 % der Befragten Buchs weiterempfehlen würden, würden dies 43 % nicht tun. Die Differenz von minus 21 % lag auch hier deutlich unter dem Durchschnitt der vergleichbaren Gemeinden (+4 %). Einzig die ausländische Bevölkerung weist einen positiven Weiterempfehlungswert aus.
Die drei bestbewerteten Funktionen gemäss HRM2 sind der Verkehr, die Öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie die Gesundheit. Auf der anderen Seite erreichten die Bereiche Finanzen und Steuern, Allgemeine Verwaltung (Gemeindeverwaltung und Behörden) sowie die Soziale Sicherheit die tiefsten Zufriedenheitswerte. Den höchsten Zufriedenheitswert der Wohnorteigenschaften erhielten die Einkaufsmöglichkeiten, den tiefsten Wert erwartungsgemäss die Höhe der Steuern.
Die Studie von YouGov analysierte zudem den Einfluss der Zufriedenheit der einzelnen Wohnorteigenschaften auf die Gesamtzufriedenheit. Dabei sticht klar die Bedeutung der Verwaltung und der Behörden hervor. Kann die Zufriedenheit mit Verwaltung, Einwohner- und Gemeinderat erhöht werden, hat dies die vergleichsweise höchste Hebelwirkung auf die Gesamtzufriedenheit. Die Höhe der Steuern hat zwar den grössten Einfluss auf die Zufriedenheit mit der allgemeinen Finanzsituation, nicht aber auf die Gesamtzufriedenheit.
Der Gemeinderat hat sich im Rahmen seiner Legislaturplanung mit den Umfrageergebnissen befasst. Grosse Priorität hat dabei die Verbesserung der Verwaltungs- und Behördenkommunikation mit dem Ziel, ein vertrauensvolles Klima zwischen Politik, Verwaltung und Bevölkerung zu schaffen. Folgende Massnahmen sollen in der neuen Legislatur umgesetzt werden:
• Erstellung eines Kommunikationskonzepts
• Schaffung einer verwaltungsinternen Kommunikationsstelle
• Weiterentwicklung der analogen und digitalen Kommunikationsmittel
• Proaktive Kommunikation von bevölkerungsrelevanten Themen
• Überprüfung und Anpassung (Modernisierung) des Führungs- und Verwaltungsmodells
Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der steuerlichen Belastung bzw. des Verhältnisses von bezahlten Steuern und erhaltenen Leistungen kommt in der Befragung klar zum Ausdruck. Der Gemeinderat hält deshalb weiter an seiner bisherigen Finanzstrategie fest und hat zusätzlich die folgenden Massnahmen festgelegt:
• Einbezug der einwohnerrätlichen Kommission "Finanzstrategie 2035" in die Weiterentwicklung der Finanzstrategie
• Einfache und verständliche Präsentation der Finanzkennzahlen
• Laufende Überprüfung der Aufgaben
Der zweite Fragenblock fokussierte auf die Weiterentwicklung von Buchs und die Frage eines möglichen Zusammenschlusses mit Aarau. Von den drei abgefragten Szenarien fand die «Stärkung der regionalen Zusammenarbeit» mit 45 % die grösste Zustimmung, während 8% dies ablehnten. Mit 36 % zu 27 % erhielt das Szenario «Eigenständigkeit» die geringste Zustimmung. Für Fusionsabklärungen mit Aarau sprachen sich 43 % aus, 21 % waren dagegen.
Im Vergleich zur Bevölkerungsbefragung von 2018 hat bei der diesjährigen Umfrage eine klare Verschiebung bei der Frage der Eigenständigkeit von Buchs stattgefunden. Während 2018 noch zwei Drittel der Teilnehmenden für die Eigenständigkeit votierte, hätten bei einer Volksabstimmung Ende 2025 50 % einer Fusion mit Aarau zugestimmt, 36 % hätten eine solche abgelehnt. Da jedoch nur die Stimmberechtigten abschliessend über einen Zusammenschluss mit Aarau befinden können, interessierte das Abstimmungsverhalten dieser Gruppe besonders: Mit 54 % zu 37 % fiel die Zustimmung sogar noch deutlicher aus. Wenn nur die Stimmberechtigten berücksichtigt würden, die auch wirklich an der Abstimmung teilnehmen, erhöht sich die Zustimmungsrate auf 59 %. Allerdings besteht ein deutlicher Graben zwischen den Neuzugezogenen (bis 5 Jahre in Buchs) mit einer Zustimmungsrate von 73 % und den Alteingesessenen (über 20 Jahre) mit einer Ablehnung von 52 %.
Der Gemeinderat hat die Resultate eingehend analysiert und ein zweigleisiges Vorgehen beschlossen:
Strategie 1: Ergebnisoffene Prüfung eines Zusammenschlusses von Buchs und Aarau
Die Umfrageergebnisse lassen auf eine eindeutige Offenheit für eine allfällige Fusion mit Aarau schliessen. Der Gemeinderat anerkennt diese Haltung und leitet daraus einen Auftrag zur ergebnisoffenen Prüfung eines Zusammenschlusses mit Aarau ab. Da aber zum aktuellen Zeitpunkt weder die Eckpunkte einer allfälligen Fusion noch deren Konsequenzen für die Buchser Bevölkerung bekannt sind, erachtet es der Gemeinderat als zielführend, in einem ersten Schritt vorbereitende Fusionsabklärungen vorzunehmen. Dazu soll dem Einwohnerrat spätestens an der Frühlingssitzung 2027 ein Kreditantrag unterbreitet werden, der eine Auslegeordnung aller von einer Fusion betroffenen Bereiche, der Erwartungen und Risiken sowie des weiteren Vorgehens ermöglicht. Damit die Stimmberechtigten bereits in dieser ersten Phase miteinbezogen werden können, wird dem Einwohnerrat beantragt, diesen Kreditantrag dem fakultativen Referendum zu unterstellen. Mit einem Volksentscheid wird die Bereitschaft des Stimmvolks abgefragt, für vorbereitende Fusionsabklärungen die notwendigen finanziellen Mittel bereit zu stellen.
In einem zweiten Schritt wird dem Einwohnerrat - basierend auf dem Abklärungsbericht - ein Kreditantrag zur Erarbeitung des Fusionsvertrags unterbreitet. Auch dieser Antrag soll wiederum dem fakultativen Referendum unterstellt werden. Bei Annahme durch das Volk wird der Fusionsvertrag erarbeitet und in beiden Gemeinden zur Abstimmung gebracht.
Strategie 2: Erarbeitung von Grundlagen, wie sich Buchs als eigenständige Gemeinde weiterentwickeln kann
Parallel zur den Fusionsabklärungen führt der Gemeinderat die Eigenständigkeitsstrategie weiter. Der Zeithorizont bis zu einem allfälligen Zusammenschluss von Buchs mit Aarau beträgt mindestens 5 Jahre. Bis dahin wird sich die Gemeinde Buchs den Herausforderungen ohnehin eigenständig stellen müssen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Einwohnerrat oder das Volk einen Kreditantrag ablehnt und somit die Fusionsstrategie nicht weiterverfolgt wird. In die Eigenständigkeitsstrategie miteinbezogen werden auch die Arbeitsergebnisse der einwohnerrätlichen Kommission «Finanzstrategie 2035», deren Einsetzung der Gemeinderat an der Einwohnerratssitzung vom 23. Juni 2026 beantragt.
Präsentation Bevölkerungsbefragung YouGov.pdf [pdf, 1.6 MB]
Präsentation Bevölkerungsbefragung Gemeinde.pdf [pdf, 144 KB]